Stephan Weidner und das Ventil

07.09.2010 - Stephan Weidner und das Ventil

"Also für mich sind die Texte total positiv, auch wenn sie düster klingen. Dinge zu verarbeiten ist immer etwas Positives und ich hab eben damit, dass ich Texte schreiben darf und Musik machen kann, ein Ventil gefunden.", erklärt Stefan Weidner bei einem Interview mit Carsten Praeg für Powermetal.de auf die Frage "Glaubst du denn, dass es irgendwann einen Anlass für dich geben wird, positivere Texte zu schreiben? Oder hast du die Menschheit dahingehend schon aufgegeben?".

Stephan Weidner ist Bassist, Produzent sowie ehemaliger Kopf der BÖHSEN ONKELZ – heute: DER W. Sein Erfolg ist einzigartig, seine Texte mehr als genial. Weidner lernte Kevin Russell und Peter Schorowsky kennen und zusammen gründeten sie 1980 die Band Böhse Onkelz. Zunächst begannen sie mit Punk, entwickelten sich jedoch ein Jahr später zum "Oi!". "Oi!" ist die Bezeichnung für einen Musikstil, der in der Skinhead- und Punkszene viele Anhänger hat. Der Ausruf „Oi!“ ist ein englischer Slangausdruck für „Hey“, „Hallo, du da“. Er wird aber auch mit dem englischen Wort Joy (Freude) in Verbindung gebracht.

Matthias Röhr gesellte 1981 ebenfalls dazu. Er hatte bereits einige Jahre lang Gitarre in verschiedenen Gruppen wie Antikörper und Headliner gespielt und brachte somit Erfahrung in die musikalisch noch recht unbedarfte Band ein. Nachdem aber die bisher eher unpolitische Punkszene immer weiter nach links rückte, verloren die Onkelz das Interesse an dieser Subkultur und orientierten sich immer mehr an der Oi!-Bewegung, in der sie die Möglichkeit sahen, weiterhin unangepasste rebellische Musik zu machen.

Am 14. November 1981 spielten die Böhsen Onkelz zusammen mit den Pseudos im türkischen Familienzentrum am Wiesenhüttenplatz, in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofs. Der Song "Türken raus" wurde hier eher als Lachnummer begrüßt. Matthias Röhr alias Gonzo war einer der ersten Oi-Skins in der Frankfurter Szene. Von ihm ging auch der Impuls aus, auf denen seine Freunde nur gewartet hatten. Oi-Skin zu werden erschien ihnen als kosequenter und richtiger Schritt. Noch im November tauschten Kevin und Stephan ihre zerschlissenen Mäntel und schnitten sich die Haare auf Streichholzlänge.

Bis 1985 dauerten die Jahre in der Skinhead-Szene, wobei sie Ende 1984 begannen, sich langsam von der Skinheadszene zu distanzieren, da sie sich zu sehr in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlten. So wurde Weidner 1986 in dem Magazin Singen und Tanzen zitiert: "Wir hatten keine Lust mehr, uns in eine Ecke drängen zu lassen, aus der wir nicht mehr herauskommen. Wir wollten unseren Spaß haben und das war zum Schluss nicht mehr möglich.“. Russell dagegen identifizierte sich noch weiter stark mit der Kultur, was innerhalb der Band zu Spannungen führte.

Neun Monate nach dem netten Mann, im Februar 1985, wurden die Onkelz wieder vom MTV.Studio gebucht. Egoldt hatte angerufen und die Produktion der zweiten LP angeleiert. Obwohl die Onkelz noch kein Geld für ihre erste Platte bekommen hatten, waren sie sofort begeistert. "Böse Menschen - böse Lieder", die zweite Produktion, sollte beim "netten Mann" anknüpfen. Die Themen waren mehr oder weniger die gleichen. Allerdings waren der anfängliche Patriotismus sowie die Euphorie für das Vaterland schnell verpufft. Stephan Weidner vertrat inzwischen die Meinung, dass es sich nicht lohnt, auf ein Land stolz zu sein, das die Probleme seiner Jugend nicht ernst nahm.

Zu dieser Zeit wurde die Band in den Medien weitgehend nicht beachtet. Das öffentliche Interesse nahm jedoch zu, als es in den frühen 1990er Jahren zu verschiedenen rassistischen Übergriffen in Deutschland (z. B. die Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen, thematisiert im Song „Deutschland im Herbst“, oder der Mordanschlag von Mölln) kam und die Onkelz vermehrt im Zusammenhang mit rechter Gewalt erwähnt wurden. Zu dieser Zeit sah sich die Gruppe mit einer massiven Kritik konfrontiert, die unter anderem dazu führte, dass sich mehrere Radio- und später auch Fernsehsender (MTV und VIVA) weigerten, Onkelz-Platten zu spielen.

Trotz – oder sogar wegen – der massiven öffentlichen Kritik, waren die Böhse Onkelz weiterhin erfolgreich und schafften es 1993 mit ihren beiden veröffentlichten Alben Weiß und Schwarz auf Platz zehn bzw. zwölf der deutschen Charts. 1994 wechselten die Onkelz zum Plattenlabel Virgin Records und waren damit zum ersten Mal bei einem Major-Label unter Vertrag. Dort brachten sie ein Jahr später das Album Hier sind die Onkelz heraus, das es auf Platz sechs der Charts schaffte.

1996 folgte das Album E.I.N.S. (Platz Vier in den Charts), dessen Titel von einigen Medien als Abkürzung für „Eigentlich immer noch Skins“ interpretiert wurde. Auf dem Album selbst befand sich mit Enie Tfahcstob rüf Ediona-RAP ein Stück, das eben solche Interpretationsversuche hart kritisierte und als lächerlich darstellte.

Der 23. November 1996 war wohl der denkwürdigste Tag in der sechsenjährigen Geschichte der bis dato 135 Onkelzkonzerte. Die ausverkaufte Dortmunder Westfalenhalle, die mit 15.500 Fans aus dem Ruhrpott und der Umgebung vor lauter Euphorie fast abhob, erlebte an diesem Abend das spektakulärste Konzert, das Band und Fans bis dahin gesehen und gehört hatten. Ja, in Dortmund waren alle "E.I.N.S."

Die Band erwarb sich mit der Zeit eine große Fangemeinde. 1998 verkaufte sie von ihrem Album Viva los tioz innerhalb der ersten 48 Stunden nach Verkaufsstart über 300.000 Exemplare, womit sie zum ersten Mal Platz 1 der deutschen Charts erreichte.

Ein Höhepunkt der Kontroverse um ihre Vergangenheit war der 8. August 2003, als die Böhsen Onkelz beim Konzert auf dem EXPO-Gelände in Hannover als Vorgruppe der Rolling Stones auftraten: „German Nazi Punk Band to open for the Rolling Stones“, schrieb die amerikanische Boulevardzeitung New York Post.

Am 24. Mai 2004 kündigten die Onkelz offiziell ihren Rückzug vom aktiven Musikgeschäft an. Nach dem Erscheinen des letzten Albums Adios und dessen Sprung an die deutsche Chartspitze, einem Auftritt im August beim Wacken Open Air und der restlos ausverkauften Tour 2004 fand am 17. und 18. Juni 2005 ein Abschieds-Open-Air-Festival unter dem Namen „Vaya Con Tioz“ (frei übersetzt: Geh mit den Onkelz) am EuroSpeedway Lausitz statt.

Am 15. Mai 2006 veröffentlichte Stephan Weidner zusammen mit anderen Künstlern (unter anderem Daniel Wirtz von Sub7even) unter dem Bandnamen „Nordend Antistars“ die Stücke „Unser Stadion - unsere Regeln“ und „Gewinnen kann jeder“ als Stadionhymnen zur Fußball-WM 2006.

2008 veröffentlichte Weidner unter dem Namen Der W die Single Geschichtenhasser aus seinem sieben Tage später erschienenen ersten Soloalbum Schneller, höher, Weidner. Einige Songs dafür nahm er zusammen mit der amerikanischen Band Pro-Pain auf. Er stieg mit seiner Debütsingle Geschichtenhasser auf Platz 38 der Singlecharts ein und verbesserte sich in der darauf folgenden Woche sogar bis auf Platz 19.

Es folgten von Mai 2009 bis August 2009 Auftritte bei verschiedenen Festivals wie dem Wacken Open Air 2009 und den Wacken Open Air-Ablegern Wacken Rocks South, Wacken Rocks Seaside und Wacken Rocks Berlin, sowie den Open Airs With Full Force, Woodstage und Rock Head. Außerdem war er im Dezember 2009 als Support für Motörhead bei ihrer Deutschland-Tour auf der Bühne, wo er nach dem Ausstieg Rupert Keplingers die Gitarre übernahm.

2010 folgte ein gigantisches Marketingkonzept über Facebook, womit Weidner derzeit sein kommendes Album promotet, welches Ende 2010 erscheinen soll.

Quelle: Wikipadia - Böhse Onkelz, Wikipadia - Stephan Weidner
Autor: Heiko Jendreck

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